31.08.2016

Vadu // 31.8.16

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Das Wochenende habe ich mit den anderen drei Maher-Freiwilligen in Vadu verbracht, das ist circa 40 Minuten von Pune entfernt und schon sehr ländlich gelegen.
In Vadu ist der Hauptsitz von Maher, wo Sister Lucy auch schläft und lebt, wenn sie nicht gerade in Pune, auf Reisen oder in Seminaren ist. Es gibt dort mehrere Häuser, eines für "ältere Mädchen", sprich 16-25, eines für ältere Jungs, ca 16-22 und ein großes für Kinder. Ich hab hauptsächlich mit den älteren Mädchen geredet, von denen viele gerade ihr Kind bekommen haben oder noch schwanger sind. Es war wirklich interessant deren Meinung über Zwangsheirat usw zu hören und ich hab mich super mit allen verstanden.
Am Samstag haben wir dann mit einem der älteren Jungen weitere Maher-Häuser besucht. In jedem Haus wurden wir mit dem Maher Willkommens-Lied empfangen und generell war es einfach schön zu sehen, wie sehr sich die Kinder nur über unsere Anwesenheit gefreut haben.
Der Tag war sehr anstrengend aber eines der besten Erlebnisse bisher, da ich noch nie so oft so herzlich empfangen und aufgenommen wurde.
Am Tag darauf ging es dann zum größten Haus von Maher, in dem traumatisierte oder geistig beschränkte Frauen mit Kindern zusammen leben. WIr wurden wieder sehr freundlich empfangen aber es war definitiv erstmal ein Schock für uns, da viele Frauen gar nicht mehr in der Gegenwart leben sondern nur apathisch in die Luft gestarrt haben oder ihre Handlungen nicht mal ansatzweise kontrollieren konnten.
Viele der Frauen wurden auf der Straße "aufgesammelt" und man kennt ihre Geschichte nicht, da sie oft auch gar nicht mehr reden. Oft haben diese Frauen mit Gewalt, Vergewaltigungen oder Misshandlung zu tun gehabt, was mich auch noch nach dem Besuch sehr mitgenommen hat.
Das Wochenende war insgesamt sehr interessant und wichtig, nicht nur wegen den vielen Ausflügen sondern auch weil Sister Lucy oft mit uns zu Abend gegessen hat und wir persönliche Gespräche geführt haben. Ich habe noch  keinen Menschen kennengelernt, der sich so sehr für die Sicherheit und das WOhlergehen von so vielen Menschen einsetzt wie sie. Es vergehen keine 10 Minuten ohne das ihr Telefon klingelt, die arbeitet wirklich 7 Tage die Woche für mindestens 14 Stunden und nimmt NIE Urlaub. Und trotzdem hat sie sich für un
s Zeit genommen und die Gespräche mit ihr waren wirklich sehr belehrend und wichtig.

In Vadu, zusammen mit Prianka, zwei Kindern, Vincent, Yasir und einer Österreicherin.

Liebe Grüße Marie

24.08.2016

Einleben // 24.08.16

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Nach zwei Wochen in Indien kann man sagen ich habe mich schon ein bisschen eingelebt. Die meisten der anderen Freiwilligen arbeiten schon in ihren Organisationen und der Papierkram und die Registrierung sind fast fertig.
Mittlerweile habe ich mich an das ständige Hupen gewöhnt, an den Verkehr, die Rikshafahrer und das Wetter. Unsrere Wohnung fühlt sich immer mehr wie zuhause an und wenn endlich die Wände neu gestrichen sind, können wir uns auch richtig einrichten und ein bisschen dekorieren.
Das scharfe Essen ist zwar immer wieder eine Herausforderung wenn wir essen gehen, aber selbst daran gewöhne ich mich immer mehr.
So langsam kommt Alltag in die ganz neue Situation, vor allem auch weil wir Pune und den Koregaen Park (das Viertel in dem wir leben) immer weiter kennen lernen und uns auch ohne Riksha zurecht finden.

Am Freitag geht die Arbeit endlich auch bei Maher los, angefangen mit einem Ausflug aufs Land mit Sister Lucy, der Gründerin Mahers, wo wir in einer Zeremonie in die Organisation eingewiesen werden.


Das war im High Spirits, am Abend vor dem indischen Independence Day, der in Indien sehr traditionel gefeiert wird, mir bunten glitzernen Saris, viel Schmuck und bunter Schminke.

Liebe Grüße Marie

23.08.2016

Erste Eindrücke // 15.08.16

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Mein erster Eindruck von Indien war wohl die Autofahrt vom Flughafen in Mumbai nach Pune, der Stadt in der wir jetzt leben.
Wir wurden von drei größeren Autofahrern abgeholt, die uns nachts um zwei zu unseren Wohnungen bringen sollten und die Fahrt war für uns Deutsche alle der erste (positive) Kulturschock, da man in Indien nicht nur links fährt, sondern auch ohne jegliche Regeln. Unser Fahrer hat immer gehupt oder die Lichthupe betätigt, wenn er überholen wollte, manchmal war kein Platz zum überholen, dann hat er einfach länger gehupt und mit zwei Zentimetern Abstand überholt. Es gab mehrere scharfe Bremsungen pro Minute und obwohl wir alle ziemlich müde waren konnten wir die ersten zwei Stunden nicht an Schlaf denken. Außerdem haben wir draußen auch viel gesehen, da in Indien auch nachts noch viel auf den Straßen los ist.
Wir sind an mehreren kleinen Slums vorbei gefahren, bei denen man teilweise in die Hütten schauen konnte, in denen Kinder geschlafen haben.
Was mich auch geschockt hat, war ein Truck in dem hinten in der Ladefläche zwei Kinder auf Kartons geschlafen haben, während der Fahrt. Bei einer Vollbremsung wären die einfach raus gefallen.
Unser Fahrer war übrigens die ganze Zeit nicht angeschnallt.

Die ersten Tage haben wir meistens im High Spirits verbracht, das ist eine Art Bar, die an einen Biergarten erinnert und einer der Musikspots in Indien ist. Allerdings ist morgens nicht viel los und da Ilka, unsere Betreuerin den Besitzer kennt, durften wir morgens unsere Seminare dort abhalten.
Wir haben viel indisch gegessen und einen Einblick in die indische Küche erhalten.

Ein weiterer, wichtiger Punkt, der uns alle in der ersten Woche begeistert hat, ist Riksha fahren. Das sind kleine Taxen mit drei Rädern, die dich von A nach B bringen und praktisch nichts kosten. Von unserer Wohnung zum High Spirits zahlen wir meistens zwischen 20 und 50 Rupien, also meistens um die 50 cent. Dort hab ich auch das erste Mal verhandelt, was mir wirklich schwer fällt, weil der Aufpreis von 10 cent, den Rikshafahrer bei weißen Menschen verlangt für mich ja nicht viel ist, aber wenn wir anfangen, mehr zu zahlen, verlangen die Fahrer auch immer höhere Preise von den Einheimischen, die sich die 10 cent mehr eben nicht leisten können.

Zu unserer Wohnung könnte ich noch etwas schreiben. Wir wohnen im Koreagon Park, dem eher westlichen Viertel von Pune. Aber wenn ich schreibe „westlich“ meine ich immer noch 99% indisch, was heißt kein Bürgersteig, viele Straßenhunde, kleine Obststände, mehrere kleine Slums, Straßenkinder usw, es ist nur weniger los als zum Beispiel in Camp, einem anderen Viertel.
Unsere Wohnung ist für Indien schon ziemlich groß, wir haben zwei Schlafzimmer für vier Leute, eine offene Küche mit Wohnzimmer, zwei kleine Bäder und ein Balkon.
Teilweise gibt es keine richtigen Fenster sondern nur Fliegengitter oder Balken, zum Beispiel im Bad und im Wohnzimmer. Außerdem gibt es in fast jedem Zimmer Ventilatoren, da es sonst schon sehr warm und schwül wäre, vor allem während der Regenzeit, die wir im Moment haben.

Mit der Arbeit fange ich erst in der zweiten Woche an, da meine Organisation Maher lieber erst alle Anmeldungen und Registrierungen haben möchte, was heißt, dass mich in den nächsten Tagen noch viel Papierkram erwartet.
Da wir noch kein Wlan haben, wird dieser Text wahrscheinlich erst in einer Woche veröffentlicht, heute ist der 15.8., nur zur Einordnung.

Liebe Grüße
Marie